Auf den Spuren des Apostel Paulus!

16. Tag: von Kiz Kalesi nach Konya 653 km

Nachdem wir den Platz bezahlt hatten, fuhren wir weiter. Wir sahen an der Küste noch viele unberührte, herrliche Sandstrände, daß wir uns über Kiz Kalesi geärgert haben.
In großen Steigungen führte die Straße entlang der Mittelmeerküste nach Silifke, an den Fluß Saleph, indem 1190 Kaiser Friedrich Barbarossa ertrank. Jetzt wäre ihm das schwer gefallen, die Flüße sind im Sommer völlig ausgetrocknet. Die große Stadt Mersin läd nicht zum Verweilen ein. Der Gestank der Ölraffinerien verfolgte uns noch bis Tarsus und war penedrant störend.
Dshalb freuten wir uns schon auf die Überquerung des Taurus bei der kilikischen Pforte. Davon hatten wir im Geschichtsunterricht mal was gehört! Ein wahres Nadelöhr, durch das alle Völker durch mußten, die von Nordwesten nach Südosten oder umgekehrt wollten. Wir natürlich auch!
Ziel war ein Felsenrelief der Hethiter bei Ivriz, in der Nähe von Eregli. Bisher fand ich das nur einmal beschrieben in einem Buch: Türkei - lebende Legenden!
Nach der Besichtigung führte der weitere Weg durch die anatolische Hochebene, fast menschenleer, nur Weizenfelder. Wir hatten uns für eine gelbe Straße entschieden, also einer Landstraße laut Karte. Deshalb entschlossen wir uns, einen Abstecher nach BinbirKilise zu machen. Das heißt übersetzt: 1001 Kirchen. Doch die Straße war schlechter, als ausgezeichnet und von den Kirchen haben wir in unwirtlichem Gebiet nur eine entdecken können. Dafür sahen wir Landschildkröten und zwar in solcher Größe, wie vorher und nachher nie mehr. Gefragt hatten wir uns nur: Wovon leben die dort! Es war alles sonnenverbranntes Land, nur dürre Halme.
Uns trieb es jedenfalls weiter, wir hatten noch einiges vor. Doch wie es oft kommt: der Mensch denkt und dann kommt alles anders! Ein Reifen war platt! Reifenwechsel in größter Hitze gehörte nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen meines Mannes, aber was solls! Allein in der Wildnis.
Wir haben dann trotzdem noch einen Abstecher nach Catal Hüyük gemacht. Obwohl wir wußten, daß es außer Hügel und Ausgrabungslöchern nichts zu sehen gibt, weil alles im Museum in Ankara ist, wollten wir doch an dem Ort stehen, wo schon 5000 Jahre v. Ch. eine Großstadt war. Tatsächlich gab es nichts zu sehen, aber unser Ausflug sollte noch ein abenteuerliches Ende bekommen.
Wie im Süden üblich, dauert die Dämmerung nur sehr kurz. Sie hatte bereits begonnen und das hieß, so schnell wie möglich die nächste Etappe anzulaufen. Irgend etwas ging schief! Wir hatten scheinbar die richtige Abzweigung übersehen und befanden uns kurz darauf auf einem Weg, der sich immer mehr zu einem Nichts veränderte. Rechts ein Bewässerungskanal, Erdreich in Autobreite, dann links hohe Weizenfelder. Alle paar Meter lagen Rohre über dem Weg, mehr oder weniger eingegraben. Es wurde immer dämmeriger und es wurde immer schwieriger die Männer zu erkennen, die das Wasser zum Bewässern ihrer Felder regulierten. Dazu die ständige Ungewißheit, ob beim nächsten Überfahren eines Rohres nicht die Ölwanne bricht, ob die Achse auch hält. Die meisten Rohre konnten überhaupt nur schräg angefahren werden, doch war auch das immer ein Risiko. die Felder und der Kanal lagen ja viel tiefer als der Weg. Die Männer sahen uns mindestens genau so entsetzt an, wie wir sie. Die Anspannung war bei Allen sehr stark, da half auch das übliche Singen während der Fahrt nicht hinweg. Inzwischen war es stockdunkel. Schon frühere Reiseführer hatten immer von Fahrten im Dunkeln gewarnt. Da mußte man in der Türkei mit Allem rechnen. Andere Autos ohne Licht, Menschen und Tiere, die einfach über die Straßen laufen und sich scheinbar sicherer fühlen, als bei Tag. Immer hatten wir diesen Grundsatz befolgt, aber jetzt mußten wir da durch. Man kann das Gefühl nicht beschreiben, welches wir hatten, als sich der Weg langsam besserte und die letzte Hürde zu nehmen war, um auf die reguläre Straße zu kommen.
Um 21 Uhr kamen wir endlich in Konya an und fanden auch gleich ein kleines Hotel gegenüber dem Mevlana Kloster, also im Zentrum. Konya ist eine heilige Stadt und das bedeutet, daß Provitmachen verpönt ist. Konya ist eine ehrliche, preiswerte, familienfreundliche Stadt, in der man höchsten in großen Hotels, wo ausschließlich Ausländer wohnen, alkoholische Getränke bekommen kann. Wir waren von den hervorragenden Fruchtgetränken genauso angetan.



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23.06.2008 ©Gabriele Berg