anatolien

Das unbekannte Anatolien!

Wir hatten die üblichen Routen verlassen, weil wir glaubten, mit einer Abkürzung kämen wir schneller ans Ziel. Am Anfang war die Straße in einem so guten Zustand, daß wir uns wunderten, daß sie außer uns niemand befuhr.
Doch schon nach wenigen Kilometern endete der Asphalt und wir fuhren eine übliche türkische Verbindungsstraße, die in den Karten meist beschrieben wird mit: bei Trockenheit befahrbar!
Es war heiß und trocken, also ab in den Staub. Als dann aber keine Schilder mehr kamen und wir überhaupt nicht mehr wußten, ob wir uns noch auf dem richtigen Weg befinden, kamen schon so Gedanken auf: was tun, wenn das Auto kaputt geht?

Am Anfang kreuzten noch Tiere unseren Weg und wir fühlten uns nicht ganz verlassen. Nur Dörfer sahen wir keine. Wir legten eine Cassette ein und sangen uns die Bedenken weg.
Es war gut, daß wir viel frisches Wasser in einer großen Pumpkanne dabei hatten, rundherum war jedenfalls alles trocken.
Es dauerte eine geraume Zeit bis wir die kleinen Ansiedlungen wahrnahmen, da sie aus dem gleichen Material gebaut sind, aus dem die Gegend besteht. Irgendwann war der "No return" Punkt erreicht und wir konnten nur weiterhoffen, daß die Richtung stimmt. Wir waren hocherfreut, als uns endlich ein Mann begegnete. Er saß auf einem Holzkarren vor den ein Ochse gespannt war. Erst auf den zweiten Blick sahen wir, daß die Räder aus Vollholzscheiben bestanden - keine Speichen! Der Mann, sichtlich genau so erstaunt und ungläubig schauend wie wir, war nicht unfreundlich, eher reserviert. Da ich ein paar türkische Sprachkursstunden besucht hatte, mußte ich ihn ansprechen. So etwas schien ihm noch nie passiert zu sein! Auf meine Frage nach dem Weg antwortete er mit einem lächelnden Kopfschütteln. Wir wußten, wenn Türken absolut nein meinen, dann schnalzen sie und nicken mit dem Kopf. Obwohl die Geste des Mannes nicht unbedingt dieser Art Verneinung entsprach, dankten wir und machten uns gegenseitig Mut für die Weiterfahrt. Da der Mann so entgeistert nach uns geschaut hat, als wären wir mit einem Ufo gelandet, verzichteten wir darauf, die Szene auf Film zu bannen. Wir wollten die Holzräder nicht als rückständig dokumentieren, für uns war ihr Anblick nur erstaunlich.
Wir hatten es geschafft. Wir sind genau am voraus geplanten Abzweig wieder auf die reguläre Straße gekommen. Zeitlich hatten wir nichts verkürzt, aber das war das Abenteuer wert.
zurück zum Reisebericht
25.09.2000 ©Gabriele Berg