Auf den Spuren des Apostel Paulus!

Ephesus - Führung durch die Anlage:!
Bereits von der Straße aus sah man die Hafenanlage und an ihrem Ende, dem Nachtigallenberg zu, steht die Ruine eines Turms der Stadtmauer. Hier soll der Apostel Paulus inhaftiert gewesen sein. Da kaum Touristen diesen Weg nahmen war alles überwuchert und das Gelände war sumpfig. Unser erster Blick fiel auf ein riesiges Theater. Seine letzte Konstruktion stammt aus der Zeit des Kaiser Claudius 41-54 n. Chr. und wurde unter Kaiser Trajan fertiggestellt. Der Durchmesser betrug 48 Meter, zwei Aufgänge teilten es in 3 Teile zu je 22 Sitzreihen. Es faßte immerhin 25 000 Personen. Oben, 30 m über dem Orchester, befand sich eine Galerie, zu der eine weite Treppe führt. Die eigentliche Bühne war 2,7o m hoch. Das Bühnenhaus bestand aus 3 Stockwerken.
Wir kamen aus Richtung Hafen und befanden uns auf der Hauptstraße der antiken Stadt. Sie ist mit großen Marmorblöcken gepflastert. Eine unterirdische Kanalisation führte zum Hafen. Zu beiden Seiten befanden sich Bogengänge, in deren Nischen kleine Läden Waren feilboten. Die Straße war nachts beleuchtet, was selbst die Weltstadt Rom nicht hatte. Zu Ehren Kaiser Arkadius heißt sie Arkadiana. 2 Tore begrenzten die Prachttraße. Das Hafentor war verschließbar. Wir konnten nur noch Fundamentreste sehen, die darauf hindeuteten, daß einst auf hohen Säulen die vier Evangelisten standen. Beim Theater stießen wir auf vermeintliche Dämonen. Unser Führer klärte uns auf, daß es sich dabei um Theatermasken handelte. Zur Zeit der Römer wurden alle Rollen von männlichen Schauspielern gespielt und so maskierten sie sich. (ähnlich wie beim Chinesischen Theater).

Auf römischen Straßen waren häufig Spiele eingeritzt, die man noch heute kennt z.B. Mühle, Dame, Backgammon. Oft aber waren auch nur Wegweiser eingeritzt. So war der Weg ins Bordell durch einen Fußabdruck beschrieben oder es gab Zeichen, die auf bestimmte Personengrupen hinwiesen. z.B. Christen! Da gab es ein Geheimzeichen. Selbst vor wenigen Jahren war es von den Wissenschaftlern nicht zu deuten gewesen. Dabei ist das griechische Wort ICHTOS nur in geometrischer Form ineinandergeschrieben worden. So entstand schließlich das Malteserkreuz, das darauf hinwies: In diesem Hause lebten Christen. (Zeichen=Fisch) Die Marmorstraße führte zum anderen Ende der Stadt, dem Magnesia Tor. Sie wurde im 4. Jahrh. v. Chr. gebaut und besaß ein perfektes Drainagesystem. Die Straßenseiten waren von Säulenreihen gesäumt. Sie bildeten die östliche Begrenzung der Agora. Diese Agora war nicht nur Marktplatz, sondern ein großes Quadrat 111 x 111 Meter, von einer doppelten Galerie umgeben. Die einzelnen "Felder" waren durch "Wasservorhänge" abgegrenzt. Durch diese Verdunstungskälte ließ es sich in der Agora bestens aushalten und man behielt beim Handel und Wandel einen kühlen Kopf.
Folgte man der Marmorstraße bis zu einer Biegung nach links, dann sah man vor sich die Bibliothek des Celsus, eine der auffälligsten Ruinen in Ephesus. Sie wurde 135 n. Chr. von Julius Aquila zum Gedenken an seinen Vater Celsus Polemeanus von Sardes, römischer Senator und Generalgouverneur von Kleinasien, erbaut.
Den Hauptlesesaal in dem zweistöckigen Bau erreichte man durch einen 25 m breiten, mit Marmor ausgelegten Hof und eine 9 stufige Treppe mit 2 Sockeln für Statuen auf jeder Seite. Durch Doppelschal-Bauweise war garantiert, daß der Raum geräuschunempfindlich war.
Die Fassade, etwa 16 Meter hoch, war reich mit Säulen, Reliefs und Statuen geschmückt. In den Nischen standen 4 Statuen junger Frauen, die die Haupttugenden symbolisierten - Weisheit, Tapferkeit, Mässigung und Verstand! Die Originale befinden sich in Wien. Die Ausgrabungen in Ephesus werden durch die Österreicher vorgenommen. Zuletzt restaurierten sie das angrenzende Tor des Mäzeus und Mithridates, ein 3 bogiges 16 m hohes Gebäude, durch das man in die Agora gelangte.
Als nächstes zu sehen gab es einen Brunnen, der aus massiven Marmorblöcken auf einer tetragonalen Basis aus Kalkstein erbaut wurde. Mit Ausnahme der Rückwand war der Brunnen rundum mit dorischen Säulen geschmückt. Ursprünglich im 1. Jahrh. v. Chr. als Mausoleum erbaut, wurde er später in einen Brunnen umgewandelt, indem man ein Marmorbecken davorfügte.
In der Kuretenstraße, gegeüber des Brunnens lag das Bordell und die Bedürfnisanstalt. Kurze Bemerkung zu diesem Thema:
Bordell: Die Frauen des Bordells waren speziell ausgebildet, was sie von den übrigen Römerinnen unterschied. So waren sie oft die einzigen weiblichen Wesen, die mit den gebildeten Römern mithalten konnten. Aus Aufzeichnungen ist bekannt, daß das körperliche Zusammensein oft nicht ausgschlossen, aber nicht das wichtigste war. Oft konnten diese Frauen Bedeutung und Reichtum erlangen und später Scholen, Bäder o.ä. gründen.
Toiletten: Das Gebäude war rechteckig angelegt. Die Benutzer konnten auf allen vier Seiten gemeinsam sitzen = 40 Plätze. Die Marmorbank hatte ovale Aussparungen und vor den Sitzbänken verlief ein kleiner Kanal mit ständig fließendem Frischwasser. Ein Abflußkanal tief unter den Sitzen wurde ebenfalls durch fließendes Wasser gereinigt. Die Römer konnten sich ein Sitzabonement durch Abgabe von Perlen mieten. Man hat herausgefunden, daß es wesentlich mehr Abonementen als Sitze gab. So kam es, daß ein reicher Römer, nur Reiche konnten sich die Toiletten leisten, seinen Sklaven vorschickte, damit dieser seinem Herrn den Platz besetzte und im Winter auch vorwärmte. Man erleichterte sich hier nicht nur körperlich, sondern oft wurden an diesen Orten Intrigen gesponnen oder gegen den Kaiser gewettert. Deshalb wurden nicht selten auch Spitzel an diese Orte geschickt. Dem normalen Römer oder den Frauen blieben nur die dunkleren Staßenecken, um sich zu erleichtern.
Der Hadrianstempel war ein besonders schönes Objekt, 7,20 m x 5 m groß. Die dreiteilige Front war von 4 korinthischen Säulen getragen und hatte im Mittelbogen als Schlußstein die Büste der "Kybele mit den Türmen" oder Mater turita! Im karthagischen Krieg erklärte das römische Orakel: nur, wenn die Römer den heiligen Stein der Kybele aus Pessinus in Kleinasien nach Rom brächten, könnten sie Karthago zerstören. Seit der Zeit war Kybele das Emblem des römischen Reiches und sie ist heute noch das Emblem Italiens.
An der Innenwand des Heiligtums befand sich das Medusenhaupt als Schutz vor bösen Einflüßen. Zu beiden Seiten des Hauptes waren Friese und Reliefs angebracht, sie zeigten die Prozessionen von Göttern und Göttinnen, sowie andere Personen der Mythologie, die mit der Gründung der Stadt in Verbindung gebracht wurden. Im Tempel selbst befand sich das Bild der Artemis. 4 Sockel für Statuen standen noch da. Dieses Heiligtum wurde 130 n. Chr. erbaut und fast gänzlich aus Originalteilen wieder zusammengesetzt.

Der Trajansbrunnen wurde zur Ehre Kaiser Trajans, der von 98 - 117 regierte, erbaut. Dieser zweistöckige Brunnen hatte ein Bassin 1 x1 m. In den verschiedenen Nischen standen 12 Statuen u. a. die der Nerva, die von Trajans Vater und die seiner Mutter. Direkt vor dem Brunnen lag ein Sockel, auf dem die Statue des Kausers stand. Sie wurde zerstört, nur ein Fuß blieb übrig. Als nähstes sahen wir das Relief der Nike, der Gottheit des Sieges. In ihrer linken Hand hält sie einen Kranz und in der Rechten eine Kornähre. Wahrscheinlich gehörte sie zur Verkleidung eines großen Brunnens.
Die Kuretenstraße war eine ebenfalls mit Marmor gepflasterte Straße, die an beiden Seiten mit Säulen und Reliefs geschmückt war. Sie führte zum Rathaus der Stadt. Das Relief des Hermes war gewissermaßen ein Hinweis auf die Post in der Antike. Hermes als Götterbote war aber auch der Beschützer der Gauner, Betrüger und Diebe.
Ihm gegeüber stand das Relief, das auf einer Seite den Äskulapstab als Hinweis auf einen Arzt zeigte und auf der anderen ein ganz ähnliches, nur mit Salbentöpfen, als Hinweis auf eine Apotheke.
Wenn man nun die Stadt an dieser Stelle verließ und in entgegengesetzter Richtung weiterging, näherte man sich der Doppelkirche. Sie wurde auch Konzilkirche oder Hagia Maria genannt und ist ein antiker Bau von 260 m Länge und 30 m Breite, vermutlich war sie ein Museion, also ein Treffpunkt für Professoren und Doktoren, oder eine Warenbörse, die im 2. Jahrh in die älteste christliche Kirche umgebaut und der Heiligen Maria geweiht wurde.
Als diese mit Säulen und prächtigen Mosaiken geschmückte Basilika zu alt zum Gebrauch wurde, hatte man den östlichen Teil in eine Kuppelkirche umgewandelt. Aus diesem Grunde auch der Name Doppelkirche!Im nördlichen Teil des Gartens der Basilika befand sich eine oktogonale, von einer Kuppel überspannte Taufabteilung. Die Katecheten riefen dreimal: Ich widersage dem Teufel!- wurden daraufhin mit Chrisam gesalbt und nachdem sie dem Priester ihren Glauben an die Dreifaltigkeit bekundet hatten, dreimal untergetaucht. Danach hüllte man sie in weiße Gewänder und führte sie in die Kirche.
Hier fand 431 das Ökumenische Konzil statt, an dem 200 Bischöfe teilnahmen, welches das Dogma von der Gottesmutterschaft der Maria festlegte. Mit diesem Dogma wurde die religiöse Tradition von Ephesus fortgesetzt, die seit Jahrhunderten immer eine Muttergottheit verehrten - zuerst Kybele, dann Artemis und zuletzt Maria!
Im 7. Jahrh. wurde der östliche Teil der Basilika in eine Kuppelkirche umgebaut, der westliche blieb als kleine Basilika bestehen. Die heutigen Ruinen stammen von einem nochmaligen Umbau in eine Pfeilerbasilika.
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01.10.2000 ©Gabriele Berg