Auf den Spuren des Apostel Paulus!
Milet!
auf der Spur des Apostel Paulus gelangten wir auch nach Milet.
Herodot wußte zu berichten, daß ionische Griechen die Siedlung Milet eroberten, deren Einwohner aus Kretern und Karern bestanden. Die Ionier töteten die männlichen Einwohner und heirateten die Frauen. Daraufhin schworen diese, weder mit ihren Männern an einen Tisch zu sitzen, noch sie je beim Namen zu nennen.
Die Stadt gelangte zu früher Blüte und war im 8.u.7. Jahrh. v. Chr. die volkreichste griechische Stadt überhaupt gewesen. Etwa 80 Kolonien gründete Milet am Mittelmeer, an den Dardanellen und am Schwarzen Meer. Die Lyder belagerten die Stadt vergeblich und mußten sich schließlich mit einem Bündnis zufrieden geben.
Milet war nicht nur Handelplatz und bevorzugter Hafen, sondern auch das geistige Zentrum Ioniens. Der Naturphilosoph Thales, einer der 7 Weisen, Anaximander und Anaximenes, der Geschichtsschreiber Hekataios und der Architekt Hippodamos wurden in Milet geboren und lebten hier.
494 v. Chr. gelang es den Persern Milet zu erobern und sie zerstörten es völlig. 479 v. Chr. wurde die Stadt nach den Plänen des Hippodamos wieder aufgebaut und gelangte erneut zu Wohlstand. Die quadratische Anlage der Stadt mit sich kreuzenden Straßen bedeutete für die Menschen des Altertums geradezu eine Revolution, da eine geometrische Planung von Wohnvierteln vorher unbekannt war.
In Prienne ist diese Anlage heute noch deutlich sichtbar. In Milet leider nicht mehr. Damals zählte Milet 80 000 Einwohner und exportierte Mobiliar und Stoffe.
Um 200 v. Chr. wurde Milet römisch und auf seiner dritten Missionsreise besuchte der Apostel Paulus auch Milet. Hierher lud er die Mitglieder der Gemeinde von Ephesus zu einem letzten Wiedersehen ein. Von Milet segelte Paulus nach Jerusalem.
Zuerst fiel unser Blick auf das Theater, das in die Westseite des Festungshügels eingebaut wurde. Die ursprünglich griechische Anlage wurde unter Kaiser Trajan 97 - 117 v. Chr. völlig neu errichtet. Die Vorderfront ist 140 m breit. Die Sitzreihen liegen in 3 Rängen zu je 18 Reihen am Hang und boten einst 25 000 Zuschauer Platz.
Über Treppen gelangte man zu gedeckten Rundgängen und weiter zu den oberen Sitzreihen, die kaum noch zu erkennen waren. Die Kaiserloge in der Mitte der unteren Reihe ist durch 2 Säulen gekennzeichnet, die einst einen Baldachin trugen. Das Bühnenhaus war einst schön verziert.


Der Weg führte vorbei an einem Heldengrab und weiter am Fuß des Hügels sah man das runde Fundament des großen Hafenmonumentes, das zur Erinnerung an eine Seeschlacht errichtet wurde, möglicherweise an den Sieg des Pompejus über die Seeräuber an der kilikischen Küste 63 v. Chr. Auf dem Sockel sind heute noch einige Tritonenreliefs zu sehen (gr. Meeresgötter).
Vor uns lag nun die sogenannte Löwenbucht, ein ehemaliges Hafenbecken, das seinen Namen nach zwei steinernen Löwen erhielt, die die Einfahrt flankierten. Die Löwen waren Milets Wappentiere. Hier konnte der Hafen mit einer Kette gesperrt werden.

Das Delphinion war ein Heiligtum des Apollon Dephinios. Hier versammelten sich die Teilnehmer der Prozession, die in jedem Frühjahr zum Apolloheiligtum nach Didyma zog. Wir befanden uns nun auf der "Heiligen Straße", die von Milet nach Didyma führte. Im Süden schloß sich ein spätmittelalterliches seldschukisches Bad an.

Dann standen wir vor den Ruinen des Ratssaales, des Bulenterions der Stadt aus den Jahren 175 -164 v. Chr. Der Eingang führte von Osten durch eine Säulenhalle in einen Hof, indessen Mitte ein großes mit Reliefs geschmücktes Ehrengrab stand. Das eigentliche Versammlungsgebäude befand sich auf der Westseite und bot 1 200 Personen Platz.
Ihm gegenüber stand das Nymphäum, ein Brunnenhaus mit dreigeschoßiger Prachtfassade, gestiftet von Trajans Vater. In den Nischen standen Götterfiguren, die als Wasserspeier dienten. Das Gebäude selbst enthielt öffentliche Toiletten und zwei Wasserreservoirs.
Vom sogenannten Athenatempel war nur noch ein Relief zu sehen. Der älteste Tempel Milets war auf einer 4 m breiten spätmykenischen Mauer errichtet. Die weiteren Funde reichen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Serapis, "die strahlenumkränzte Göttin", war auch in Ägypten weit verbreitet und stammte ursprünglich von dort.
Das Bild zeigt einen Teil des Südmarktes, der mit etwa 33 000 qm2, der größte Marktplatz der antiken Welt war. Er wurde noch nicht ausgegraben, sondern nur bei Sondierungen erfaßt. Der Platz war von einer zweischiffigen, dorischen Säulenhalle umschloßen. Hinter der östlichen Säulenhalle lagen 78 Läden mit 3 fach Kammern und ein Kaufhaus, mit dessen Erträgen der Bau des Apollotempels in Didyma finanziert wurde. Westlich des Marktes sind die Säulenbasen und Fundamente eines hellenistischen Speicherbaus zu erkennen, der ursprünglich 163 m lang und 13 m breit war und vermutlich als Getreidespeicher diente.

01.10.2000 ©Gabriele Berg