Reiseplanung:
Über Reisen in die Türkei ist schon so viel geschrieben worden, daß ich das nicht zu wiederholen brauche. Die Türkei ist wunderschön und interessant. Wir hatten schon früher dort Urlaub gemacht, jetzt wollten wir das alles gemeinsam mit unseren Kindern erleben. Deshalb fuhren wir mit dem Auto, einem Zelt und allem, was benötigt wurde los. Dafür muß man gut vorbereitet sein. Darüber möchte ich hier berichten. So eine Vorbereitung ist bei einem Pauschalurlaub nicht unbedingt nötig, bei einer Individualreise jedoch unerläßlich, besonders wenn man mit Kindern verreisen will.
Mein Rat gilt für das Verreisen mit Kindern im Alter von 8 - 12 Jahren. Die wichtigste Frage ist die: Was wollen die Kinder im Urlaub erleben! Die Antwort lautet bestimmt: Sie wollen die unbegrenzte Aufmerksamkeit ihrer Eltern!
Deshalb ist es sehr wichtig, bereits am Anfang einer Fahrt in den Urlaub ein gutes Konzept zu haben. Der Weg ist das Ziel! Deshalb beginnt der Urlaub bereits bei der Abfahrt von Zuhause. Kinder sind durchaus in der Lage lange Zeit in einem Auto zu sitzen, wenn für Abwechslung gesorgt wird. Daher sollten Sie für einfache Ratespiele (Autonummern, - ich seh was, was du nicht siehst! -, Teekesselchen usw.) sorgen. Regelmäßige Pausen bei einer langen Fahrt sind selbstverständlich. Dabei kann man auch einmal auf einem großen Rastplatz ein bischen Ball spielen oder herumrennen. Die Kinder begeistern sich meist auch für Picknick. Getränke sind sehr wichtig. Am geeignetsten ist eine große Pumpkanne, die mit Tee oder gutem, kühlen Quellwasser gefüllt ist. Das Wasser hat den großen Vorteil, daß die Kinder auch während der Fahrt etwas trinken können. Sollten sie dabei, wegen einer holprigen Strecke, etwas verschütten, so ist das eher lustig als schlimm. Wasser gibt keine Flecken. Möglichkeiten zum Übernachten sollten schon vorher mit Hilfe von guten Reiseführern gesucht werden. Dauert die Reise an ein Meer länger als einen Tag, dann ist es von Vorteil, wenn das Motel zum Beispiel ein Schwimmbecken hat. Selbst in dem kleinsten Becken erholen sich die Kinder nach einem Tag im Auto sehr schnell! Dort können sie toben und plantschen als Ausgleich für das Stillsitzen während der Fahrt.
Kümmern Sie sich schon vorher um Sehenswürdigkeiten entlang der Fahrstrecke und suchen sie solche aus, die den Neigungen ihrer Kinder entsprechen. Bieten sie ihnen viel Abwechslung, selbst wenn sich dadurch die Fahrzeit stark verlängert und sie erst Tage später ihr Urlaubsziel erreichen. Zufriedene Kinder sind mehr wert als Streckenrekorde.
Bei unseren Unterbrechungen besichtigten wir zum Beispiel Burgen oder Zoos. Wenn die Kinder an einem Thema großes Interesse haben, dann bietet eine solche Fahrt die Möglichkeit, darauf ein zu gehen, denn nun hat man ja Zeit für sie. Ich gebe zu, der Fahrer sollte dadurch nicht abgelenkt werden.
Wenn sie dann gutgelaunt ihr Urlaubsziel erreicht haben, ist es genauso wichtig, die Kinder stets bei allem einzubeziehen. Da wir mit dem Zelt unterwegs waren, bedeutete das zum Beispiel: Zelt aufbauen, Luftmatratzen aufblasen, einkaufen etc. Natürlich sind bei diesen Reisen unsere eigenen Bedürfnisse nicht zu kurz gekommen! Wir besichtigten all das, was für uns interessant war gemeinsam mit den Kindern. Selbst die Besichtigung der X-te Ruinenstätte hat sie nicht unduldig werden lassen, weil danach immer ein besonderer Wunsch der Kinder erfüllt wurde. Das war dann zum Beispiel einmal wieder eine Übernachtung in einem Hotel mit einem besonderen Pool (Pamukkale) oder ein besonderes Abendessen, eine Fahrt in einem Oldtimer-Taxi, der Besuch eines Wasserfalls etc. Da die Türkei sehr geschichtsträchtig ist, war es auch ein Erlebnis für die Kinder Troja zu sehen und dabei an den Ausgrabungsplätzen die Legende des Trojanischen Krieges vorgelesen zu bekommen.
Heute, viele Jahre danach sind unsere Kinder noch immer begeistert von diesen Reisen. Natürlich waren ihnen andere Dinge wichtig, als uns Erwchsenen. Ein Ritt auf einem Esel oder Kamel war bedeutender als die riesigen Köpfe auf dem Nemrut dag. Die Einladung zu einem Beschneidungsfest war ein weiterer Höhepunkt. Dort standen alle Kinder gemeinsam im Mittelpunkt. Zeitweise hatten wir Bedenken, daß die vielen Eindrücke zuviel für die Kinder sein könnten. Inzwischen haben wir gemerkt, daß sie sich jetzt, Jahre später plötzlich an Dinge erinnern, bei denen wir damals den Eindruck hatten, es interessiere sie nicht wirklich.
Die Vorbereitungen auf unsere Reisen dauerten etwa immer ein halbes Jahr. Es mußte viele Bücher gelesen werden um über alles Bescheid zu wissen und um richtig planen zu können. Ich möchte aber darauf hinweisen, daß planen nicht bedeutet, daß man bereits vorher jeden Schritt festlegt und nicht vom geplanten abweicht. Das wäre meines Erachtens total überzogen. Es ist besser eine bestimmte Struktur zu planen und möglichst viele, unterschiedliche Möglichkeiten zu kennen. Dann kann man spontan und vor Ort entscheiden: wann, wohin, weshalb!




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23.06.2008 ©Gabriele Berg